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Bejagung von Rehwild ohne bürokratischen Abschussplan

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von Heinzpeter Als

Rehwild darf nach § 21 Abs.2 Bundesjagdgesetz nur auf Grund eines behördlichen Abschussplans erlegt werden.

Auf Grund der Föderalismusreform können seit 1.9.2006 die Bundesländer von dieser bundesrechtlichen Regelung in ihren Jagdgesetzen abweichen. Seit 1997 war die bayerische Staatsregierung bemüht im Rahmen allgemeiner Deregulierungsbestrebungen auch die Abschussplanung auf Rehwild von behördlichen Verwaltungsakten zu befreien. Im Jahre 1999 hat der Bay. Oberste Rechnungshof die behördliche Abschussplanung als zu teuer kritisiert. Ab dem Jahr 2000 lief in Bayern dann ein entsprechendes Pilotprojekt, das mit einem Abschlußbericht vom April 2009 endete. Die durchführenden Behörden LWF und Bay. Forstverwaltung kamen zu dem Ergebnis, dass, unter bestimmten Vorgaben, eine bayernweite Einführung der Rehwildbejagung ohne behördlichen Abschussplan befürwortet werden kann.

Die Bay. Staatsregierung hat seit dem das Thema offensichtlich nicht weiterverfolgt, ein Vorstoß der Freien Wähler wurde im Parlament von allen anderen Parteien niedergeschmettert. Das Bay. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten scheint zwischenzeitlich den entgegengesetzten Weg vorzuziehen und glaubt anscheinend, die Jäger mit viel Bürokratie zur Erlegung des Rehwilds im erforderlichen Umfang anhalten zu können.

Die Jägervereinigung Ansbach hatte ihre Hegeschau bereits 2008 unter das Thema: „Verantwortungsvolle Rehwildbejagung ohne bürokratische Abschusspläne“ gestellt. Die Regierungsbezirksgruppe Mittelfranken hatte sich dieser Forderung angeschlossen, zwei Landesjägertage hatten sich ergebnislos des Themas angenommen.

An der Basis bei den Jägern, Hegeringleitern, Jagdvorstehern, Förstern und Unteren Jagdbehörden findet diese Deregulierung viel Beifall, auf Ablehnung stößt sie vor allem beim Bay. Bauernverband.

 

Argumente für die Abschaffung bürokratischer Abschusspläne

Der Abschussplan in der bisherigen Form ist der klassische Fall einer staatlichen Planwirtschaft. Funktionäre des Staates steuern zentral einen in die Zukunft gerichteten Prozess. Nachweislich kann dieses System nicht funktionieren, auch dann nicht, wenn es ständig perfektioniert wird. Es wird nur immer teurer und in der Praxis immer weniger durchführbar. Die Idealisten, die die Planwirtschaft für eine ideale Wirtschaftsform halten, gehen von einem Menschenbild aus, welches nicht real ist. Für eine plankonforme Arbeit müssten alle Beteiligten das Planziel losgelöst von den eigenen Interessen verfolgen, was eine Illusion ist. Die vielfältigen Grundlagen für einen auf die nächsten 3 Jahre angelegten Abschussplan können in der Praxis niemals wirtschaftlich sinnvoll und objektiv erfasst werden. Der Abschussplan versucht zu planen, was nicht planbar ist: Schnee, Sturm, Trockenheit, Borkenkäfer, Freizeitdruck, Feld- und Waldbewirtschaftung, Kitzverluste und vieles andere mehr. Der Abschussplan bewirkt keine strukturell richtige Bejagung. Das Geschlechterverhältnis als auch der Zuwachs ist nicht bekannt, der Abschuss wird insoweit willkürlich festgelegt. Die vollständige Erfüllung des Abschussplans gewährleistet nicht, dass ein ausgewogenes Wald/Wild-Verhältnis vorliegt. Auch der Jäger, der seinen Plan zu 100% erfüllt hat, kann bei der nächsten Planung erfahren, dass, er zu wenig geschossen hat. Nach planwirtschaftlichen Grundsätzen müsste er zum „Helden der Rehwildbejagung“ ernannt werden.

Der Abschussplan versucht ausschließlich durch die Rehtötung einen angepassten Wildbestand zu erreichen. Flankierende Maßnahmen, die möglich wären, bleiben unberücksichtigt und werden zum Teil deshalb nicht realisiert. Der Abschussplan verteufelt die bloße Existenz des Rehindividuums ohne seine berechtigte Lebensgrundlage in die Planung umfassend einzubeziehen und ohne festzustellen, wie seine Existenz im Rahmen angepasster Wildbestände doch erhalten werden kann.

 

Wie geht es ohne behördlichen Abschussplan?

Zunächst ist klarzustellen, dass das Vegetationsgutachten, wenn möglich in verbesserter Form, erhalten bleiben soll. Auf dessen Grundlage verhandeln Jagdgenossenschaft und Jäger die Bejagung und die begleitenden Maßnahmen. Dies geschieht jährlich oder auf Grund besonderer Anlässe. Jagdgenossen, die für sich ein besonderes Problem erkennen, sollen einbezogen werden. Ein Revier- und Waldbegang wäre eine gute Form der Meinungsbildung. Berater können hinzugezogen werden, z.B. der Förster. Die Vertragspartner, Grundstückseigentümer und Pächter vereinbaren dann die Zielsetzung für Abschuss und flankierende Maßnahmen, wie z.B. Deckung und Äsung in der Feldflur, Verbissschutzmassnahmen, Lenkung Freizeitdruck, Schwerpunktbejagung.

Die Hegegemeinschaft hat die Aufgabe, die Reviere zu koordinieren. Hierzu müssen die Jagdvorsteher gleichberechtigt eingebunden werden. Wie bisher kommt der Hegegemeinschaft eine empfehlende Funktion zu.

Die Untere Jagdbehörde überwacht hoheitlich das jagdliche Geschehen, nicht die Planung. Sollte es zu einem Missbrauch kommen, sei es dass der Wald oder sei es dass das Wild einseitigen Interessen zum Nachteil der Allgemeinheit geopfert wird, so muss sie nach den allgemeinen Grundsätzen einschreiten.

Das Auge des Staates vor Ort sind die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit der dort vorhandenen Sachkompetenz. Im ersten Schritt wird sicher eine Beratung der Jagdgenossenschaft / Jäger zielführend sein.

 

Was wird durch die Abschaffung des behördlichen Abschussplans erreicht?

Es wird die Position des Eigentums gestärkt. Es wird die Eigenverantwortlichkeit gefördert. Damit ist zu erwarten , dass die Beteiligten die Umsetzung der vereinbarten Ziele besser und genauer durchführen. Die einzelnen Jagdgenossen und die Jäger werden sich besser mit den Zielen identifizieren. Es wird eine hohe Flexibilität erreicht. Die Ziele können kurzfristig den Veränderungen angepasst werden. Die Zusammenarbeit von Jagdgenossenschaft und Jäger wird verbessert. Jeder lernt die Aufgaben und Probleme des anderen besser kennen. Die gegenseitige Akzeptanz ist zur Erfüllung der jagdlichen Aufgaben notwendig. Meinungsunterschiede können rechtzeitig geklärt werden. Der Staat spart durch den Bürokratieabbau Geld, in Bayern laut ORH 2 Mio. €/jährlich. Dieses Geld kann wesentlich klüger für Lebensraumverbesserungen verwendet werden.

 

Warum wird der behördliche Abschussplan derzeit nicht abgeschafft?

Manche wollen das Jagdgesetz grundsätzlich nicht anfassen, damit nicht eine Türe zu einschneidenden Verschlechterungen geöffnet wird. Diese passive Haltung kann dann zu Überraschungen führen, wenn Dritte sich federführend der Problematik Jagd annehmen. Auch in Bayern sind die politischen Verhältnisse nicht mehr in Stein gemeißelt. Jäger haben die Sorge, den Nachbarn nicht mehr kontrollieren zu können. Das können sie aber auch heute nicht und haben sie noch nie gekonnt.

Es muss über Inhalte diskutiert und nicht versucht werden, mit formalen Planzahlen zu spielen. Mancher Jagdvorsteher und mancher Jäger versteckt sich hinter der Abschussplanerfüllung. Gerade dies muss aber im Interesse der weidgerechten Bejagung vermieden und die Verantwortung gestärkt werden.

Der Bauernverband hält nichts von der Deregulierung weil er offensichtlich seinen Einfluss wahren möchte. Der heutige Jagdvorsteher ist aber Manns oder Frau genug um mit seinen Pächtern vor Ort die richtige Bejagung auszuverhandeln. Bei der Behandlung des entsprechenden Gesetzesantrag der FW in Bayern musste man den Eindruck gewinnen, dass es den anderen Parteien nicht so sehr um die Sache, als um Taktik ging. Natürlich schaut die Politik auf Wählerstimmen und solange sich die Jäger nicht einig sind, wird sich wohl nichts ändern.

 

Ausblick

Wir Jäger haben so oder so für angepasste Wildbestände zusorgen, warum wollen wir das nicht selbst bestimmt in Zusammenarbeit mit den Jagdgenossenschaften tun? Wir sollten immer und öffentlich für die Abschaffung der Planwirtschaft plädieren, dennoch natürlich gegenwärtig noch nach Plan jagen. Wir sollten bereit sein Eigenverantwortung für unser Tun zu übernehmen und dafür mehr Flexibilität, mehr Spielraum, mehr Einfluss und letztlich mehr Freude und Zufriedenheit zu erlangen.

Heinzpeter Als, 1. Vorsitzender der Jägervereinigung Ansbach u. U. eV